Von anziehenden und abstoßenden Kräften – Beziehungen und Beziehungsunfähigkeit (Teil 3)

Zwei weitere Fälle aus zweiter Hand und ein wenig über die wohl schlimmste Form von einer Beziehung der Anziehung und Abstoßung: Die, bei der ein Partner abhängig ist von einem Partner, der ihn schlägt und eventuell auch vergewaltigt.

Dieses mal geht es um einen jungen Mann. Nach 10 Jahren geht seine Beziehung in die Brüche. Obwohl sie es ist, die extrem unter seinen Fremdflirtereien leidet, beendet er die Beziehung, weil er wiederum unter seinem schlechten Gewissen ihr gegenüber leidet. Das Ende ist schmerzhaft, aber freundschaftlich. Beide schätzen einander weiterhin und bleiben in Kontakt. Seit dieser Beziehung stößt ihn die Idee, eine feste Partnerin zu haben, ab. Allerdings ist er viel auf Tinder unterwegs, sehr erfolgreich bei den Frauen und so quasi nie ohne Affäre, von denen eine mehrere Monate hielt, aber nur, weil er nach diesen Monaten zu einer einjährigen Weltreise aufbrach und es für beide von Vornherein klar war, dass die Beziehung dann beendet würde. Sein großer Erfolg bei den Frauen besteht einerseits darin, dass er gut aussieht, aber vor allem auch darin, dass er sehr gut zuhören kann, Traurigkeit, Angst und generell Probleme versteht, interessiert nachfragt, gute Ratschläge gibt und sehr offen von seiner eigenen Geschichte erzählt. Frauen sehen sehr schnell in ihm eine Art Seelenverwandten und auch jemand verletzlichen: Er kann einem also helfen und einen beschützen und zusätzlich weckt er den Beschützerinstinkt der Frauen: „Mit meiner Liebe kann ich ihm sicherlich sein Leid erträglicher machen“. Ein explosives Gemisch, das vielen Frauen sofort die Verliebtheitshormone ins Blut schießen lässt. Umso härter dann die Enttäuschung darüber, dass dieser perfekt Kerl sich nicht feste binden möchte. Obwohl er so schon einer sehr hohen Anzahl von Frauen großen Liebeskummer bereitet hat, sieht er sich selbst gerne in der Rolle des Frauenretters. Er erklärt das mit seinen Kindheitserlebnissen. Sein Vater schlug regelmäßig seine Mutter und drohte in Wutkrisen und unter Alkoholeinfluss regelmäßig, die gesamte Familie und sich selbst umzubringen. Bis heute leidet er deshalb unter Panikattacken, vor allem an öffentlichen Plätzen mit vielen unbekannten Personen. Durch die Weltreise will er sich übrigens auch ganz bewusst dieser Angst stellen. Zusätzlich hätte er natürlich gerne als Kind seine Mutter beschützt und lebt diesen so großen Wunsch heute aus, indem er möglichst vielen Frauen warme Worte und Umarmungen schenkt. Warum langt hierfür nicht eine feste Partnerin? Wahrscheinlich, weil das Verliebtsein dort nachlässt und die Verantwortung, die man für den anderen übernehmen muss und die man als Druck spüren kann, zunimmt. Gerade diese unbeschwerte Verliebtheit wirkt auf ihn aber wie eine Droge (vielleicht eine Mischung aus der üblichen Selbstwertbestätigung, die man genießt, wenn ein anderer in einen verliebt ist und der Befriedigung, einer Frau mit ihren Problemen helfen zu können – was er als Kind nicht konnte und zusehen musste, wie sein Vater seine Mutter psychisch wie physisch zerstörte). Eine Droge, mit der er sein Trauma, das täglich getriggert wird, etwas sedieren kann.

Und noch einmal eine Frau: Von außen wirkt es wie verhext. Seit Jahren scheint sie sich immer nur unglücklich zu verlieben. Ein Partner, mit dem sie eine jahrelange Affäre hatte, war bereits verheiratet und Familienvater. Als der sich dann aber tatsächlich von seiner Frau trennte und sich für sie entschied, ja sogar die Kinder vorstellte, da wollte sie plötzlich nicht mehr, meinte, die Gefühle wären nicht mehr da. Auch beim nächsten Partner stellte sich nach ein paar Wochen heraus, dass er bereits in einer festen Beziehung war, in der er auch bleiben wollte. Und wiederum der nächste wohnte in einem anderen Land und war völlig eingenommen durch seine drei Jobs, so dass kaum Zeit für Zweisamkeit blieb. Der alte Fluch: Wenn man ein Problem mit sich nicht gelöst hat, wird man immer wieder von demselben Typ angezogen. Hier vom unverfügbaren. Damit nicht genug: Wenn der unverfügbare sich verfügbar macht, verliert er seine Anziehung. Warum sie sich aber nun immer nur in diese Männer verliert, weiß weder ich noch sie. Sie wirkt eigentlich wie eine recht selbstbewusste junge Frau, die auch klar sagen kann, wonach ihr ist und was sie gerade braucht. Allerdings mag es sein, dass sie nicht alles kommuniziert und in ihr noch viele Dinge unbewusst vor sich gehen. Ein Indiz sind ihre vielen psychosomatischen Beschwerden, Schmerzen, Atemnot, Verspannungen, Kieferklemme etc..

Noch schlimmer wird dieser Fluch, wenn man immer wieder auf gewalttätige Partner trifft. Hier kenne ich zum Glück keinen, der das erlebt hat, habe aber schon sehr oft – sozusagen aus dritter Hand – davon gehört. Auffällig oft treffen dann auch im Kindesalter vergewaltigte Frauen oder Männer, später wieder auf Partner, von denen sie vergewaltigt werden. Ein zunächst so charmanter, liebender Partner stellt sich im Nachhinein als dasselbe Monster heraus, das einem als Kind Fürchterliches angetan hat. Informationen (leider wieder einmal auf Französisch) hierzu auf der Seite von Muriel Salmona (eine Seite, die in möglichst viele Sprachen übersetzt gehört). Gelegentlich stößt man auf einzelne ins Englische übersetzte Artikel, wie diesen über Trauma und Prostitution. Eben zu diesem Thema, kann ich übrigens auch den Blog von Sandra Norak sehr empfehlen, auf dem sie unter anderem erzählt, wie sie als junge Frau mit sehr fragilem Selbstwert in die Fänge eines Mannes geriet, der wusste, wie er sie von sich abhängig machen konnte und sie so schließlich in die Prostitution zwang. Heute studiert sie Jura und engagiert sich im Kampf gegen die Prostitution.

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